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Ich, Fleischtigerin und Waldmensch

Ich liebe Fleisch. Natürlich nur von «glücklichen» Tieren. Am liebsten geniesse ich alle Teile: vom Schweinsschnörli über die Rindszunge bis zum Lammherz. Mein Glück: Ich habe alles gerne. Doch ich liebe auch den Wald. Das eine hat nichts mit dem anderen zu tun? Hast du eine Ahnung!
Photo by Paul Morley on Unsplash

Kaum zu glauben, aber die Ernährung ist, vor Wohnen und Mobilität (!), der Konsum- und Produktionsbereich mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt. Sie verursacht knapp 30 Prozent der Umweltbelastung, die durch den Konsum der Schweizer Bevölkerung anfällt. Die Lebensmittel, die wir essen, werden zunehmend in global ausgerichteten Produktionsketten hergestellt. Dadurch verlagert sich auch ein wesentlicher Teil der Umweltbelastung ins Ausland. Augen zu und durch? Sicher nicht! Aber was hat denn nun meine Bratwurst auf dem Grill mit Wald zu tun?

Entwaldung und Umwandlung von Waldflächen sind mit vier Rohstoffen verbunden: Soja, Palmöl, Rindfleisch und Holz (wobei die Rinderproduktion mit Abstand am meisten Wald verdrängt). Ich picke mir das Beispiel Soja (ich liebe Sojasosse, mein Maggi-Ersatz psssst, Edamame, Tofu) raus: Das Wachstum und die Ausweitung der Sojaproduktion seit den 1960er-Jahren in Südamerika (vor allem Brasilien) gehen stark mit Abholzung des Regenwaldes, Problemen wie Wasserverschmutzung, Bodenerosion, abnehmender Artenvielfalt und gesellschaftlichen Konflikten zwischen Produzenten und indigenen Communities einher.

Durch die veränderte Landnutzung, die Produktion und den Einsatz von Dünger für den Sojaanbau entstehen zudem hohe Treibhausgasemissionen. Etwa 70 Prozent der weltweiten Produktion wird dem Vieh verfüttert. Auch in der Schweiz werden über 80 Prozent der Importe als Viehfutter genutzt. Aktuell fressen vor allem Schweine und Hühner importiertes Futter in grossen Mengen. Der Regenwald steckt also praktisch in unserer geliebten Schweins- oder Pouletbratwurst.

Aber so weit über den Tellerrand müssen wir gar nicht schauen. 90 Prozent der Schweizer Waldfläche leidet an einer Überdosis Stickstoff. Der Waldboden versauert, die Bäume sind Mangel ernährt, unser Wald krankt. 2/3 des Eintrags kommen aus der Landwirtschaft: zu hohe Tierbestände, zu viel Gülle wegen zu viel Futterimporten …

Mir ist das nicht wurst. Da kann ich mir auch als Fleischtigerin schon mal zu Herzen nehmen, einmal die Woche Fleisch mit einem wald- und klimaschonenden Lebensmittel zu ersetzen. Darum esse ich heute Zucchetti-Spaghetti.

Und du? Mach doch auch mit bei unserer Sommeraktion: #vegiisstbesser