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Gute Kommunikation mit schlechtem Resultat?

Als intrinsisch motivierter Campaigner läuft man Gefahr, sich die Anliegen stark zu Herzen zu nehmen, für die man kämpft. Umso schlimmer ist es, wenn sie nicht durchkommen – bei der Jury oder in einer Volksabstimmung. Zwei Beispiele aus unserer jüngsten Praxis.
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Meistens redet man nicht darüber, wenigstens nicht unter Berufskolleg*innen. Wir schon. Da legt man sich ins Zeug, glaubt an den Erfolg des Kunden und die Kraft der Strategie, die man zusammen entwickelt hat. Und dann: Failed. Unwiderruflich. Es gibt nichts nachzubessern.

Das ist umso enttäuschender, je mehr ich mich mit einem Anliegen – und wie wir es kommunizieren – identifiziere. Die Lust, nach den Ursachen zu forschen, hält sich in Grenzen. Nötig ist es trotzdem.

Jüngst unterstützten wir die Zuger Genossenschaft Gewoba bei der Bewerbung um ein Areal. Ein Workshop mit Vorstand und Geschäftsstelle brachte eine reiche Ernte an Ideen zur Positionierung und zum Siedlungsprojekt. Dann die Umsetzung in Bewerbung und Handout: Eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Kunden, Grafik (Büro Haeberli) und Illustrator (Jakob Näf).

Einen Monat später die kalte Dusche. Die Jury entschied sich für eine andere Trägerschaft. Warum? Weil sie die Produktionshalle unter der Siedlung und deren Mitarbeitende stärker in die Überlegungen miteinbezogen hatte. Und weil sie ausgeprägter als die Gewoba auf Clusterwohnungen setzte. Hätte ich diese Aspekte einbringen sollen? Ich bin die Ausschreibung nochmals durchgegangen – und kann sagen: Nein. Die Entscheidung hing weitgehend von der Disposition der Jury ab. So bleibt mir nur der Trost, dass die Zusammenarbeit mit dem Team wunderbar klappte und der Kunde sehr zufrieden war.

Anders gelagert war eine lokale Kampagne, die ich an meinem Wohnort beratend unterstützte. In Horgen hatte der SP-Co-Präsident per Einzelinitiative die Einführung eines Parlaments zur Diskussion gestellt. In der Abstimmung vom 17. 11. versenkte eine Mehrheit von 70 Prozent das Parlament im Zürichsee. Puah!

Offenbar mobilisierte die Kampagne (parlament-horgen.ch) vor allem die Gegnerschaft – statt der Dialoggruppen, die wir im Auge hatten: All jene, die zwar politisch interessiert sind, sich aber nicht mit dem antiquierten Format Gemeindeversammlung anfreunden können. So lag die Stimmbeteiligung bei der Parlamentsabstimmung zwar höher als bei der gleichzeitigen Ständeratswahl (2. Wahlgang), aber die Ja-Stimmen zum Parlament machten nur wenig mehr aus als der Wähler*innenanteil von SP, GP und AL.

Nicht wahrhaben möchte ich, dass die Kampagne der Gegnerschaft wirkungsvoller war als unsere. Es war eine Ansammlung von dumpfen Ressentiments, plump umgesetzt – aber wohl mit dem richtigen Absender (alle Parteien ausser SP und GP).

Was bleibt? Im Rückblick eine tolle Zusammenarbeit, eine Erklärfilm-Premiere (made by diktum.ch) und die Gewissheit, dass es früher oder später unvermeidbar ist, die Demokratie auf Gemeindeebene zu stärken.

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