Greta, die Erlöserin?

Jahrzehnte lang fühlte ich mich wie ein Rufer in der Wüste, wenn es um die Klimakrise ging. Die Stimme zunehmend heiser. Mit der Erscheinung von Greta Thunberg beobachte ich so etwas wie eine Erlösung unter uns älteren Klima-Bewegten.
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Seit mehr als 30 Jahren ist klar, dass wir ein Problem mit der Erderwärmung (so hiess das damals) haben – und dass das Verprassen der fossilen Ressourcen und das Abholzen der Wälder den Löwenanteil daran ausmachen.

Die UNO legte im Kyoto-Protokoll Zielwerte für die Industrieländer fest, die Industrieländer gaben sich Klimaschutzgesetze. Die globalen Treibhausgasemissionen stiegen trotzdem – ausser die Weltwirtschaft rutschte kurz in eine Rezession.

Die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 erlebte ich als einen Wendepunkt in der Debatte: Bis dahin hatten viele Progressive noch einen Schimmer Hoffnung auf vernünftiges staatliches Handeln. Damit wars dann vorbei, die Themen-Aufmerksamkeit nahm ab.

An Versammlungen zu Klimaschutz-Treffen, in letzter Zeit natürlich auch in Sozialen Medien, treffe ich oftmals auf dieselben Leute. Manche sind: Ältere Männer wie ich. Ich hatte den Eindruck, unsere Klima-Appelle bekamen etwas zunehmend Verzweifeltes, Bitteres; ich fühlte mich verpflichtet, an eine Demo zu gehen, erwartete aber kaum eine Wirkung. Gewiss hat die Klima-Bewegung in der Schweiz einiges erreicht… Vor allem wohl aber Schlimmeres verhindert.

Dann trat Greta Thunberg auf den Plan. Die schwedische Schulstreikerin geisselte nüchtern die Untätigkeit der Politik vor dem Plenum der Klimakonferenz im polnischen Katovice. Das Video ging in den sozialen Medien viral, die anderen Medien nahmen den Stoff dankbar auf.

Der Rest ist bekannt: Schulstreiks allüberall, Ausrufung des Klimanotstands, Klimademo: Hoffentlich wird’s der Hammer!

In meinem Umfeld spürte ich eine riesige Erleichterung: ENDLICH! Endlich gehen die auf die Strasse, die es wirklich betrifft. AUFATMEN. Nehmen das Heft in die Hand.

Kurz fragte ich mich, ob Greta Thunberg der Klimabewegung eine Art Erlösung bringt; natürlich ohne sich zu opfern, vielmehr indem sie simpel und breitenwirksam bestätigt, dass wir all die Jahre das richtige Ziel verfolgten. Das würde die Bewegung aber aussehen lassen wie eine religiöse Gemeinschaft – was sie keineswegs ist. Diesen Stempel versuchen ihr die Leugner*innen der Krise seit jeher aufzudrücken.

Meine Deutung geht anders: Die Zeit war reif. Timing! Greta war die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ihr Schulstreik erweist sich als der berühmte Flügelschlag des Schmetterlings, der einen Tornado ausgelöst hat. 

Auf eine Windhose durch die Schweizer Polit-Landschaft runtergebremst: Sie fegt im Herbst die bürgerliche Mehrheit aus dem Bundeshaus und verleiht der Gletscherinitiative so viel Aufwind, dass sie 33 Jahre nach der Alpeninitiative einen weiteren umweltpolitischen Meilenstein in die Verfassung schreibt. Freude herrscht!

Bildnachweis: Creative Common License „Greta Thunberg, a girl has stood“ up by stephane_p: https://bit.ly/2THYDeg

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