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«Es wohnen sowieso die Falschen in den günstigen Wohnungen»

Woran liegt es, dass sich gewisse Fake news hartnäckig festsetzen und bei jeder Gelegenheit wieder aufploppen? Welche Strategien wirken dagegen? Antworten anhand eines aktuellen Beispiels.
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Die Volksinitiative „Mehr bezahlbare Wohnungen“ erzielte mit 43 Prozent Ja einen Achtungserfolg. In der Abstimmungsanalyse des BWO kann man den Gründen nachspüren.

Sie bestätigt zwar die generell starke Zustimmung zum gemeinnützigen Wohnungsbau. Bemerkenswert ist jedoch die weit verbreitete Meinung, „dass gemeinnützige Wohnungen oft nicht den richtigen Personen zugutekämen.“ (S. 10). 88 Prozent sind offenbar dafür, dass gemeinnützige Wohnungen „geregelt“ vergeben werden. Damit sind staatliche oder gesetzliche Auflagen gemeint. (Wobei anzumerken ist, dass dieses Anliegen wiederum auf der falschen Annahme basiert, genossenschaftliche Wohnungen seien „für die Unterprivilegierten da.“ Eine gute Klärung dazu gibt’s hier (S.2).)

Der Gründe für das hartnäckige Vorurteil sind viele:

  • Die kommerzielle Immobilienlobby hat diesen Zweifel jahrelang in ihren wohnungspolitischen Verlautbarungen genährt, ebenso bürgerliche Politiker*innen im Parlament und ihnen nahestehende Medien. Denn die Immobilienlobby hat ein Interesse daran, den Not for profit-Sektor klein zu halten, weil jede gemeinnützige Wohnung ein verlorener Profit ist.
  • Die undurchsichtige Vermietungspraxis der öffentlichen Hand. Es stellte sich heraus, dass in städtischen Wohnungen manche Gutverdienende und Privilegierte wohnen. Bis das Problem politisch gelöst war, dauerte es ewig. Die Stadt Zürich etwa vollzieht die neue Vermietungsverordnung auf den 1.1.2024!
  • Die meisten Wohnbaugenossenschaften haben die Zeichen der Zeit lange nicht erkannt. Selten stellten sie Transparenz her über ihre Vermietungsprozesse. Heute stehen immerhin immer mehr Vermietungsreglemente online zur Einsicht offen. Die FGZ beschreibt ihren Prozess sogar ausführlich in ihrer Publikation.
  • Das Narrativ vom falschen Begünstigen, von unfairen Bedingungen und Mauschelein bedient die menschliche Schwäche für Verschwörungstheorien und weckt unsere niederen Instinkte: Was beneiden wir nur zu gerne „die Anderen“, wie verbreitet ist doch Missgunst!

Als Kommunikationsberater frage ich mich natürlich: Wie tritt man den Anwürfen entgegen? Wie entledigt man sich derartiger Vorurteile?

Drei Strategien führen aus meiner Sicht kombiniert zum Erfolg:

  1. Robuste Fakten erheben und beharrlich aktiv kommunizieren. Das ist ermüdend und langweilig, aber nötig. Hier ein Beispiel.
  2. Rapid response: Kommentarspalten der Online-Medien und Social Media füllen sich schnell mit derartigen Behauptungen. Die Anhänger – fast immer Männer – von Fake news scheinen unendlich viel Zeit für die Verbreitung ihrer Ansichten zu haben. Dem gilt es agil entgegenzutreten: hart in der Sache, unpersönlich in der Argumentation.
  3. Missstände anerkennen und zügig partizipativ beheben. Und dann darüber sprechen.

Das nimmt der Kritik mit der Zeit den Wind aus den Segeln.

Spoiler: Wer eine Wohnbaugenossenschaft gründet, ist frei in der Ausgestaltung, solange sie dem Gesetz folgt. Es wäre also möglich, dass Millionär*innen eine solche gründen, den Anteilschein auf eine Mio. Franken ansetzen und sich als Gated Community auf einem Top-Grundstück niederlassen. Doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist noch geringer als die, eine oder einen Multimillionär*in in einer 3,5-Zimmer-Wohnung im gemeinnützigen Mehrfamilienhaus in Bümpliz anzutreffen.

Titelbild: Wohngenossenschaft Bern, Rossfeld ©wbg-ch

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