Wie gelingt verständliche Kommunikation, damit Mieter*innen Informationen schnell erfassen? Diese Frage diskutierten Kommunikationsfachleute verschiedener gemeinnütziger Wohnbaugenossenschaften anlässlich des Intervisionstreffens bei diktum.ch. Dabei ging es um einfache Sprache und den möglichen Beitrag von KI. Dieser Beitrag fasst die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.
Einfache Sprache vs. leichte Sprache
Die einfache Sprache (Niveau B1) ist weniger strikt geregelt als die leichte Sprache, die speziell für Menschen mit kognitiven Einschränkungen entwickelt wurde. Sie macht Informationen klar und verständlich und erreicht eine breitere Zielgruppe – auch Menschen, die selten mit Vertrags- oder Verwaltungstexten zu tun haben.
Wenn die einfache Sprache auf Hürden stösst
In der Praxis ist der Weg zu verständlicher Kommunikation manchmal steinig. Viele Texte – ob auf Websites oder in Mieter*innen-Schreiben – sind historisch gewachsen und wurden «schon immer so formuliert». Besonders bei rechtlichen Texten heisst es oft: «Das muss juristisch wasserdicht sein, da können wir nichts vereinfachen.» Aber stimmt das?
Eine Wohnbaugenossenschaft hat einen Weg gefunden, diese Bedenken zu entkräften. Sie nutzte das Tool Wortliga, um die Verständlichkeit eines Textes objektiv zu prüfen. Das Ergebnis war eindeutig: Der vermeintlich unantastbare Text war für die meisten Leser*innen schwer verständlich. Das Beispiel zeigt: Die richtigen Werkzeugen machen verständliche Sprache intern überzeugend. Davon profitieren alle.
Das Wichtigste in Kürze: einfache Sprache
Einfache Sprache orientiert sich am Sprachniveau B1 und berücksichtigt folgende Regeln:
- kurze Sätze bilden
- einfache Wörter verwenden
- aktive Sprache nutzen
- Leser*innen direkt ansprechen
- klar strukturieren
- verständlich formulieren
- einheitliche Begriffe verwenden
- visuell unterstützen
KI: Der Turbo für verständliche Sprache
Moderne KI-Technologien bieten spannende Möglichkeiten, um die Verständlichkeit von Texten zu verbessern – auch in der Kommunikation mit Mieter:innen. Hier gibt es zwei Ansätze:
Regelbasierte Tools wie Wortliga oder LanguageTool prüfen Texte, erkennen komplexe Formulierungen und schlagen Verbesserungen vor.
Generative KI-Modelle wie ChatGPT oder DeepL Write gehen einen Schritt weiter. Sie analysieren nicht nur, sondern formulieren aktiv um und passen an – etwa an eine bestimmte Zielgruppe oder einen gewünschten Tonfall.
Lass mal KI schreiben
Um das Beste aus generativer KI wie ChatGPT und Co. herauszuholen, sind klare und spezifische Prompts (Fragen bzw. Anweisungen) entscheidend. Je präziser die Vorgaben, desto besser das Ergebnis. Eine universelle Formel gibt es nicht, aber bewährte Prinzipien wie das CORE-Prinzip:
C – Character: Welche Rolle soll die KI einnehmen?
O – Objective: Was ist das Ziel des Textes?
R – Rules: Welche Vorgaben gibt es? (z.B. einfache Sprache)
E – Examples: Welche Beispiele sollen der KI als Orientierung dienen?
Die Grenzen von KI
Obwohl KI-gestützte Tools Texte vereinfachen können, gibt es Grenzen. Sie analysieren Sprache anhand von Regeln und Mustern – doch menschliches Urteilsvermögen bleibt unverzichtbar, damit der Text präzise formuliert, den richtigen Ton trifft und rechtlich korrekt bleibt.
1. Kontextverlust und Missverständnisse vermeiden:
KI erkennt sprachliche Feinheiten oft nicht, lässt wichtige Details aus oder verzerrt deren Bedeutung – besonders in rechtlichen Texten.
Hier ein Beispiel:
Originaltext
Der Mietvertrag verlängert sich stillschweigend um ein Jahr, sofern keine fristgerechte Kündigung erfolgt.
Vereinfachte KI-Version
Der Mietvertrag gilt ein Jahr länger, wenn niemand kündigt.
Problem
Die rechtliche Bedeutung des Begriffs «fristgerechter Kündigung» ist nicht eindeutig dargestellt.
2. Kulturelle Feinheiten und Empathie
KI erkennt kulturelle Feinheiten oft nicht, trifft nicht immer den richtigen Ton und unterscheidet unsauber zwischen formeller und informeller Ansprache.
3. Notwendigkeit der menschlichen Endkontrolle
KI-Tools sind nützliche Hilfsmittel, ersetzen aber keine sorgfältige Prüfung. Gerade in der Kommunikation mit Mieter*innen müssen Inhalte verständlich, rechtlich korrekt und zielgruppengerecht formuliert sein.
Fazit
Einfache Sprache ist inklusiv. Möglichst alle werden angesprochen, möglichst alle sollen verstehen. KI hilft dabei, Texte klarer zu formulieren und Verständlichkeit zu prüfen. Sie gibt Impulse, vereinfacht komplizierte Sätze und spart Zeit. Aber am Ende zählt immer noch der Mensch, der entscheidet, was wirklich verständlich ist.
Eine umfassende Erläuterung mit Beispielen und praktischen Tipps zur einfachen Sprache gibt das Wortliga-Glossar.
PS: Danke an Nena und Charlotte vom Textbüro Konrad für die wertvollen Inputs zur einfachen Sprache beim Intervisionstreffen.
Bildnachweis: Das Beitrags-Bild haben wir auf Unsplash gefunden und wurde von Emiliano Vittoriosi fotografiert.